Gastbeitrag von Christoph Ernst
„Hoher Besuch“ hatte sich angesagt: Landesbischof Friedrich Kramer und 15 weitere Mitglieder des Landeskirchenrats der Evang. Kirche in Mitteldeutschland (EKM) waren kürzlich zu einem zweitägigen Besuch in den südwestlichsten Kirchenkreis der Landeskirche gekommen.
Der Kirchenkreis ist einer von aktuell noch 29 Kirchenkreisen der EKM. Der Landeskirchenrat besucht im Rahmen einer auswärtigen Sitzung jährlich jeweils eine dieser Regionen.
Im Mittelpunkt standen Begegnungen, Gespräche und Berichte über die kirchliche Arbeit hier vor Ort. Es ging um gelingende Kooperationen in den aktuell drei Erprobungsregionen der 61 Kirchengemeinden zwischen Unterbreizbach und Schwallungen, zwischen Steinbach und Birx.
Hier wird bereits seit 2025 viel experimentiert: so wurde noch einmal an den Rhön-Kirchentag im vorigen Herbst mit über 400 Besucherinnen und Besuchern erinnert.
Auch die Vorfreude auf das Kirchenchortreffen am 31. Mai war deutlich spürbar – alle Sängerinnen und Sänger der 30 Chöre des Kirchenkreises treffen sich dann in der Bad Salzunger Stadtkirche und werden mit ihren gemeinsamen Stimmen das Gotteshaus ausfüllen.
Vorgestellt wurde auch die Öffentlichkeits- und die Jugendarbeit im Kirchenkreis, das vorbildliche Schutzkonzept zur Prävention sexueller Gewalt und die Arbeit verschiedener kirchlicher Gremien vor Ort.
In den Gesprächen, in denen es auch um die gesamtgesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Situation auf dem Gebiet des Kirchenkreises und der Landeskirche ging, wurden auch kontroverse und schwierige Themen nicht ausgespart, was zugleich den offenen Umgang miteinander und die Lebendigkeit von Kirche heute auszeichnet.
Angesichts kleiner werdender Kirchengemeinden vor allem aufgrund des demogaphischen Wandels und der insgesamt rückläufigen Einwohnerzahl in Thüringen müssen sich natürlich auch Arbeitsformen in der Kirche immer weiter ändern und auch Kirchengemeinden und Kirchenkreise enger kooperieren.
Das betrifft nicht nur die Zahl der Gottesdienste, der Kirchenchöre und der gemeindepädagogischen Angebote, sondern auch die Zahl der Kirchengebäude und Pfarrhäuser, für die künftig noch gesamtkirchliche Mittel zur Verfügung stehen.
Hier braucht es neue Denkansätze und viel Kreativität für zukunftsweisende Finanzierungsmodelle, denn dass die „Kirche (als Identifikationspunkt) im Dorf“ bleiben muss, ist völlig unstrittig.
Die Frage ist nur, wer die denkmalgeschützten Kirchen, die von den Kirchengemeinden immer weniger genutzt werden, künftig unterhält, wenn die Kirchgemeinden es nicht mehr können. Dass diese Diskussionen nicht emotionslos geführt werden, verwundert natürlich nicht.
Am Ende des Besuchs im Kirchenkreis kam der Dank nicht zu kurz. Landesbischof Friedrich Kramer und die Mitglieder des Landeskirchenrats zeigten sich beeindruckt von den kirchlichen Aktivitäten vor Ort und der Landesbischof dankte dem Kreiskirchenrat stellvertretend für alle Ehren- und Hauptamtlichen sehr herzlich für ihren engagierten Dienst für die evangelische Kirche in der Region.



